
Zehn Jahre sind es in diesem Herbst, seit ich nach Dornbirn gekommen bin. Zehn Jahre mit vielen Begegnungen, Veränderungen, Herausforderungen und vor allem mit vielen Menschen, die Kirche in dieser Stadt mittragen und mitgestalten. Dafür bin ich dankbar.Am 24. Oktober möchte ich deshalb mit euch feiern – mein zehnjähriges Wirken in Dornbirn und zugleich meinen Geburtstag (hatte ich ein paar Tage vorher). Nicht mit einem großen Rückblick, sondern vor und nach den „pure beats“-Konzerten in St. Martin, miteinander, unkompliziert und persönlich. Ich freue mich, wenn viele diesen Abend mit mir feiern (mehr Infos dazu im Pfarrblatt auf Seite 17).
„mit dir“ – so lautet auch unser Motto für das neue Arbeitsjahr. Zwei kleine Worte. Sie bringen für mich etwas Wesentliches auf den Punkt: Kirche entsteht nicht dort, wo einige wenige für viele etwas organisieren. Kirche entsteht, wo Menschen einander begegnen, miteinander glauben, fragen, zweifeln, feiern und Verantwortung übernehmen. Gerade jetzt ist das wichtig. In unserem Seelsorgeraum gibt es personelle Veränderungen, über die wir auf den Seiten „Kirche in der Stadt“ berichten. Veränderungen können verunsichern. Sie können aber auch die Frage neu stellen: Wie wollen wir in Zukunft Kirche in Dornbirn sein? Ich habe dazu ein Bild vor Augen – nennen wir es „Dornbirn 2031“.
Ich wünsche mir eine Kirche, in der Menschen, die sich für Glauben, Leben und Bibel interessieren, in kleinen „Dialogräumen“ miteinander ins Gespräch kommen – vielleicht acht oder zehn Menschen, auch generationenspezifisch. Nicht zuerst, um richtige Antworten zu bekommen, sondern um Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Ich wünsche mir Pfarrgemeinderäte, die mindestens einmal im Jahr eine wichtige Frage wirklich „synodal“ beraten: zuhören, unterscheiden und gemeinsam nach einem Weg suchen. Und ich wünsche mir, dass wir auch Menschen außerhalb unserer gewohnten Kreise fragen, was sie bewegt und was sie von Kirche erwarten. Einmal im Jahr könnte eine solche Befragung in einer Pfarre oder im ganzen Seelsorgeraum stattfinden. Ich wünsche mir außerdem, dass unsere sechs bzw. sieben Pfarren noch stärker miteinander feiern: Jede Pfarre lädt einmal im Jahr zu einem besonderen Gottesdienst ein – und die anderen Pfarren feiern bewusst mit. Und junge Menschen brauchen Formen, die zu ihrem Leben passen. Ein regelmäßiger Jugendgottesdienst könnte ein solcher Ort werden: ankommen, Musik hören, still werden, miteinander feiern und gestärkt in die nächste Zeit gehen. Das alles ist noch kein fertiger Plan. Es ist eine Richtung. Eine Vision lebt davon, dass andere widersprechen, ergänzen und eigene Ideen einbringen. Genau deshalb passt unser Jahresmotto so gut.
mit dir danken für das, was gewachsen ist.
mit dir verändern, was nicht mehr trägt.
mit dir fragen, was Menschen heute brauchen.
mit dir aufbrechen in eine Kirche, die näher bei den Menschen ist.
Nach zehn Jahren in Dornbirn bin ich überzeugt: Die Zukunft unserer Kirche hängt nicht zuerst davon ab, wie viele Hauptamtliche wir haben oder welche Strukturen wir erhalten können. Entscheidend wird sein, ob Menschen Orte finden, an denen sie sagen können: Hier werde ich gesehen. Hier darf ich mich einbringen. Hier kann mein Glaube wachsen. Eine solche Kirche wünsche ich mir für Dornbirn 2031. Und sie beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt heute. mit dir.
Dominik Toplek, Moderator