
„Fürchte dich nicht“ – kaum ein Satz kommt in der Bibel so oft vor wie dieser. Er wird Menschen zugesprochen, die an Wendepunkten ihres Lebens stehen: Maria, Josef, den Hirten auf dem Feld, den Jüngern nach Ostern. Es ist der Satz, mit dem Gott Nähe schafft, bevor er etwas verlangt. Er steht am Anfang von Weihnachten – und er trägt uns weit darüber hinaus.
Als die Engel den Hirten erscheinen, beginnt die Botschaft nicht mit Erklärungen, sondern mit Beruhigung: „Fürchtet euch nicht.“ Gott kommt nicht, um zu erschrecken oder zu überfordern. Er kommt leise, verletzlich, als Kind. Weihnachten sagt: Du musst keine Angst haben, Gott kommt dir entgegen.
Doch kaum sind die Feiertage vorbei, kehrt der Alltag zurück. Sorgen melden sich wieder. Unsicherheit. Leistungsdruck. Konflikte. Ängste um Gesundheit, Zukunft, Frieden. Angst hat viele Gesichter – und oft ist sie gut getarnt. Manchmal tritt sie als Ärger auf, als Härte, als Rechthaberei oder als Rückzug. Nicht selten entsteht das Schwierige im Umgang miteinander weniger aus Bosheit als aus Angst.
Zwischen Krippe und Aschenkreuz
liegt eine Zeit voll Lachen, Lärm, Scherz und Reiz.
Da darf man sein, was man sonst nie ist,
weil alles unter einer Maske verschwindet und vergisst.
Der Brave wird Pirat mit Mut,
die Ruhige plötzlich übergut gelaunt und laut und gut.
Der Schüchterne wird König, die Zurückhaltende ein Star,
und denkt sich heimlich: So schlecht wär das gar nicht, Jahr für Jahr.
Wir lachen, tanzen, trinken mit,
verkleiden uns – und merken dabei oft nicht:
Die Maske, die wir jetzt so gern uns borgen,
die tragen wir im Alltag meist aus ganz anderen Sorgen.
Denn im Alltag tragen wir sie ziemlich brav:
Die Maske „Ich schaff das“, die Maske „Pass schon auf“.
Die Maske „Alles im Griff, kein Problem“,
selbst wenn wir innerlich am liebsten davonlaufen möchten – sehr bequem.
Der Fasching lacht – und meint es gut.
Denn hinter all dem bunten Mut
hält er uns leise einen Spiegel hin
und fragt: Wer bist du eigentlich – darunter – mittendrin?
Vielleicht liegt unter Glitzer, Hut und Kleid
nicht nur Spaß, sondern auch Müdigkeit.
Nicht nur Scherz, vielleicht auch der Wunsch – ganz ohne Spott –:
Einmal ehrlich sein zu dürfen, ganz ungeschminkt vor Gott.
Mit dem Aschermittwoch fallen die Masken. Zumindest symbolisch. Die Fastenzeit ist kein moralischer Zeigefinger. Sie ist eine Einladung zur Ehrlichkeit. Zu mir selbst. Zu Gott. Zu einem Leben mit weniger Angst und mehr Vertrauen.
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