
Theresia Winder, Obst- und Beerenbäuerin
Der Jahreslauf in der Landwirtschaft ist geprägt vom Säen, Pflegen, Wachsenlassen und Ernten. Erkennst du in diesem Kreislauf auch ein Bild für den Glauben?
Ja, in diesem Kreislauf erkenne ich vieles, was auch für den Glauben gilt. Damit wir ernten können, was wir säen, braucht es Zeit, Geduld und vor allem Pflege. In der Landwirtschaft steckt viel Arbeit mit den Händen, und doch bleibt es immer wieder ein Wunder, dass aus einem kleinen Samen etwas wächst. Vieles können wir beeinflussen, aber nicht alles liegt in unserer Hand: Hitze, Regen, Krankheiten oder andere ungewisse Faktoren können die Ernte verändern. Trotzdem braucht es die Zuversicht, dass es gut wird.
Diese Zuversicht finde ich im Glauben. Im Gebet schöpfe ich Kraft für die Arbeit und für all das, was das Leben mit sich bringt. Dafür braucht es aber Offenheit und Vertrauen. Für mich ist der Glaube und das Gebet eine große Kraftquelle.
Anja Sutterlüty, Ortsbäuerin und Älplerin auf der Alpe Almein
Als Ortsbäuerin: Was bedeutet der Erntedank für dich persönlich?
Der Erntedankgottesdienst ist uns Bäuerinnen und Bauern ein großes Anliegen, weil wir allen Grund haben, dankbar zu sein. Die Natur ist unsere Lebensgrundlage und unsere Einnahmequelle – sie schenkt Leben für Menschen und Tiere. Mit dem Erntedankfest möchten wir ein deutliches Zeichen setzen: Einmal im Jahr dafür ganz bewusst Danke zu sagen.
Was hilft dir, mit Herausforderungen in der bäuerlichen Arbeit umzugehen?
Das Benedizieren zu Beginn der Alpsaison ist uns besonders wichtig. Der Segen gilt den Feldern, dem Stall, den Menschen und Tieren. Auch die Salzsteine für das Vieh und das Salz für den Haushalt werden gesegnet. Gerade in herausfordernden Zeiten helfen mir mein Urvertrauen, der Zusammenhalt in der Familie, das Wissen, dass wir um Hilfe bitten dürfen, und die Gemeinschaft unter den Bäuerinnen und Bauern. Dieser Sommer hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und gemeinsam neue Herausforderungen zu meistern.
Erlebst du in deiner täglichen Arbeit Momente, in denen du Gottes Schöpfung besonders nah bist?
Die Schöpfung zeigt mir jeden Tag durch die Arbeit mit der Natur und den Tieren, dass der Mensch nicht alles beeinflussen kann. Es gibt etwas Höheres, und dabei ist Vertrauen darauf wichtig. Immer wieder werden wir mit Situationen konfrontiert, etwa wenn Tiere krank werden oder bei der Arbeit etwas Unvorhergesehenes passiert. In solchen Momenten sagen wir oft: „Gott sei Dank ist alles gut gegangen.“ Die jährliche Alpmesse ist mir auch ein wichtiges Anliegen - es ist jedes Mal etwas Besonderes die Messe in der Natur zu feiern.
Familie Hager, Bauern und Älpler auf der Alpe Haslach und Binnel
Wofür seid ihr nach einem Alpsommer bzw. am Ende einer Erntesaison am meisten dankbar?
Das wir alle nach einem langen Alpsommer gesund wieder nach Hause kommen und wir möglichst alle Tiere wieder vollzählig und wohlbehalten den Bauern übergeben können.
Welche Rolle spielt der Glaube in eurem Arbeitsalltag?
Bei uns auf der Alpe hat das Benedizieren im Frühling Tradition. Es sind dazu die Bauern, Jäger und Helferinnen und Helfer eingeladen. Ein Alpsommer bringt viele Herausforderung mit sich - und macht immer wieder bewusst, dass nicht alles in eigner Hand liegt. Es gibt genug Situationen, in denen wir auf Gottes Schutz vertrauen. Wenn etwa Spuren zu sehen sind, wo Tiere gelaufen sind ohne zu verunglücken, ist für uns klar, dass der Schutzengel mehr gewirkt als das Glück.
Seht ihr eure Arbeit auch als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung? Was tut ihr dafür konkret?
Die Bewahrung der Schöpfung ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Als Bauern und Älpler können wir als Gäste die Schöpfung nutzen und mitgestalten, aber nicht mehr. Wir können anbauen, düngen, „Pflänzle“ ziehen und bewässern. Doch ein Unwetter kann innerhalb kürzester Zeit vieles zerstören.
Wir sind ganz bewusst Bauern. Natürlich müssen wir auch wirtschaftlich denken. Boden und Tiere sind die wirtschaftliche Grundlage für unsere Arbeit. Deshalb geht es darum, diese Lebensgrundlage bestmöglich zu erhalten und einen gesunden Lebensraum auch für die kommenden Generationen zu bewahren.
Aus diesem Grund haben wir den Verein zum Erhalt des Kultur - Lebens - Raum der Alpen Haslach und Binnel gegründet. Der Verein möchte unter anderem Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll und wichtig die die Kulturlandschaft der Alpe ist. Interessierte können beispielsweise bei der Alparbeit selbst mithelfen und dadurch einen direkten Einblick in die Arbeit zu bekommen.
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