
Es fing mit seiner Ansage an, er wolle einen Marathon laufen, einen ganzen. Ein Jahr lang habe ich diesen einen Freund beobachtet. Nun – dieser Freund war immer schon sportlich. Aber 42,2 km zu rennen, ist auch für einen Hobbysportler eine knackige Herausforderung. Ich muss gestehen, ich hatte keine Vorstellung davon, wie man sich auf einen Marathon vorbereitet. Aber dass, was ich dann beobachtet habe, hat mir definitiv nicht Lust gemacht, mir auch so etwas vorzunehmen. Es hat mich auch nicht auf den Geschmack gebracht. Ich konnte so überhaupt nicht verstehen, wie man sich das antun kann. Ich fand, man muss nahezu selbstquälerische Züge haben - vom (fast) täglichen Training – steigernd, Rückschläge, Tagebuch führen über Vitalwerte, Ernährung, geleistete Kilometer und Gesamtverfassung. Wieso macht man das? So eine Quälerei!?
Und dann eines Tages… bekam ich ein Foto via WhatsApp: Dieser Freund über der Ziellinie. 42,2 km unter 4 Stunden. Mein erster Gedanke beim Anblick dieses Fotos – und bis heute: Warum bin ich noch nie auf die Idee gekommen einen Marathon zu laufen? Das muss doch mit Abstand das überhaupt Allerbeste sein, was man tun kann!
Welches Bild nimmt jemand auf, wenn er/sie einen Blick in unsere Gemeinde, Pfarre, in die Kirche wagt? Sind wir im Trainingscamp oder haben wir eine Ahnung vom Ziel? Was ist eigentlich überhaupt unsere Sportart? Und damit: Was ist unser Erscheinungsbild? Und: Welchen Menschen begegnet jemand hier? (Begegnet man überhaupt Menschen?) Wenn jetzt jemand seine Nase an unsere Fenster drückt… Was sieht er/sie? Weckt das, was er/sie sieht das Bedürfnis nach mehr? – „Ich will da unbedingt rein! Ich will da dabei sein!“
Was ist der zweite Eindruck, wenn jemand sich uns nähert. Was kriegt jemand mit, wenn er/sie unsere Gespräche hört… am Kirchplatz, beim Pfarrcafé, in Sitzungen, Besprechungen, … Reden wir miteinander oder übereinander? Wie ist die Grundmelodie unserer Gespräche – aufbauend oder abwertend, mürrisch oder liebevoll? Finden wir jeden rostigen Nagel im Heuhaufen unserer Nachbarn und Glaubensgeschwister oder heben wir wertvolle Kräuter?
In unseren Gottesdiensten feiern wir Gott, den Großen, den behutsam Gegenwärtigen, den unendlichen Liebhaber des Lebens, der uns durch sein Menschwerden gezeigt hat – Es ist möglich! – die Liebe und das Leben sind stärker, herzliche Großzügigkeit bringt Leben in Fülle für alle…
Was wäre, wenn das, wovon wir reden, spürbar wird. Wenn die großen Worte der Verkündigung wie Liebe, Gnade, Frieden, Freude, Gott rettet … erfahrbar werden? Wenn Menschen so, wie sie sind (und nicht, wie wir sie gerne hätten), einfach dazugehören dürfen. Und wenn das, was unsere Verkündigung/unser Evangelium ist, hilfreich für ein gutes, erfülltes Leben ist.
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